Warum fokussiert sich cura in ihrem Lehrangebot auf die Funktionelle Osteopathie?



Funktionelle Osteopathie hat sich im Laufe unserer eigenen therapeutischen Werdegangs als stimmiger methodischer Rahmen für die unterschiedlichsten Behandlungs-Herausforderungen bewährt.

Ob Orthopädie, Neurologie, funktionelle Innere Medizin oder Gynäkologie, Pädiatrie, Kieferorthopädie, Psychosomatik oder psychologische Prozeßarbeit: die Auflösung von Spannungsmustern in authentische Bewegung und die Förderung eines in die Gesamtstruktur integrierten Tonus des Bindegewebes ist für uns zum praktikablen Ideal manueller Behandlung geworden.

Die strukturelle Osteopathie wird hier im deutschsprachigen Raum zum großen Teil schon über die manualtherapeutischen Ausbildungen der verschiedenen Institute gelehrt. Viele Manualtherapeuten sind also strukturell osteopathisch tätig, ohne sich dessen ausdrücklich bewußt zu sein, abgesehen davon, daß die strukturellen Techniken von erfahrenen Osteopathen meist filigraner und virtuoser ausgeführt werden. Das wirklich spezifische osteopathische Arbeitsfeld beinhaltet unserer Erfahrung nach vor allem der funktionelle Behandlungsstil. Hier wird´s wirklich interessant.

Die drei großen osteopathischen Einzeldisziplinen
Craniosakrale Körperarbeit,
Viszerale Osteopathie und
Parietale Faszientechniken
lassen sich aus unserer Sicht bestmöglich unter diesem gemeinsamen Dach der Funktionellen Osteopathie vermitteln, um somit auch die vielen funktionellen Einzeltechniken, die z.T. auch Überlappungsbereiche mit der Strukturellen Osteopathie aufweisen, auf diesem Ausbildungsweg kennenzulernen.

Es gilt, während der eigenen Fortbildung die methodischen Chancen und Begrenzungen der Funktionellen Osteopathie kennenzulernen, die eigene - ohnehin schon meist weit entwickelte - praktische behandlerische Virtuosität weiterzuentwickeln und gleichzeitig dabei zu realisieren, dass alle Einzeltechniken nichts anderes sind, als individuell definierte Behandlungsmethoden ohne Allgemeingültigkeits- oder Ausschließlichkeitsanspruch. Denn diese verschiedenen osteopathischen Methoden werden dann letztendlich immer wieder je nach persönlichem Interesse, Erfahrungsgrad und Vorlieben zu einem individualisierten Osteopathie-Mosaik zusammengesetzt. Trotzdem denken wir, daß jeder dieser individualisierten - also eben nicht standardisierbaren - Osteopathen sehr gute Arbeit leisten kann, auch wenn es hierzulande keine wirklich "vollständige " osteopathische Ausbildung gibt.

Entscheidend ist die Bereitschaft, ein Leben lang offen zu bleiben für neue Lernschritte also die innere Haltung, die Begegnungsfähigkeit und das therapeutische Bewusstsein des Osteopathen selbst.

Ob sie
Écoute-Techniken,
Craniale Techniken,
Funktionelle Techniken,
Weichteil-Techniken,
Myofascial Release,
Strain-Counterstrain,
Ligamentär-Artikuläre Techniken,
oder
Unwinding-Techniken
heißen, die Funktionelle Osteopathie benutzt sie nicht wie ein Ingenieur vordefinierte Techniken benutzt, um eine Maschine zu reparieren, sondern eher wie ein Musiker, der über das verfolgende Lauschen und Eingehen auf die Dissonanzen eines Klangs im Gesamtakkord in unmittelbarer Umsetzung und fließend den rechten Ton eines Instruments stimmt.

Die Qualität der lebendigen Funktion tritt in den Vordergrund und wird zum eigentlichen Behandlungsmedium. Die Beschaffenheit einer Bewegung, einer Pulsation, eines Gangs, einer Emotion, einer Einstellung oder eines Haltungsmusters werden zu ausschlaggebenden Behandlungskriterien, um das veränderte Bewegungsverhalten eines Segments wieder in sein Gesamtsystem zu reintegrieren.

Solch eine Arbeitsweise lässt sich nicht über rein additives Pauken von Anatomie oder Biochemie vermitteln, dem irgendwann nach einer fest definierten und möglichst langen Unterrichtsdauer die "Lizenz zum selbständigen Denken und Handeln" folgt. Unsere Ausbildung in den verschiedenen Disziplinen der Funktionellen Osteopathie ist ein lebendiger Entwicklungsprozeß für jede/n, die/der sich darauf einlässt.

Selbstverständlich: Techniken sind wichtig, Theorie ist wichtig, und das Verständnis vitaler Anatomie ist und bleibt eine der zentralen Säulen der Osteopathie. Diese lebendige Säule darf jedoch nicht zur möglichst unerreichbar hoch aufgelegten Eliminations-Latte in einem Hierarchie-Gefälle zwischen Champions und Amateuren umfunktionalisiert werden. Auch dient sie nicht zur künstlichen Aufwertung einer Ausbildungsform im Sinne "des Kaisers neuer Kleider". Der Kaiser bleibt nackt, auch wenn ein Kandidat nicht jede mikroskopische Faszie seines bindegewebigen Gewands benennen kann. Jede Ausbildung ist nur so gut, wie die dadurch bewirkten Lernerfolge ihrer Studenten. Motivation zu eigenständigem Erforschen des Unbekannten kann nur inspiriert werden. Prüfungen von erwachsenen Menschen, die schon seit langem verantwortungsbewußt in ihrer jeweiligen therapeutischen Qualifikation stehen, sind aus unserer Sicht dabei nicht hilfreich.

Wichtig ist hingegen, ein lebendiges Interesse und viel Enthusiasmus für eine möglichst systemische funktionelle Anatomie zu entwickeln, die dem Lernenden dabei hilft, wirklich zu "begreifen". Verstehen beinhaltet immer auch als Konsequenz, die eigenen Standards selbständig und ohne Druck höher anzusetzen als bislang, neue Horizonte kennenlernen zu wollen und das Erlernte in der bestmöglichen Form anzuwenden. Auf diesem Weg möchten wir unsere Teilnehmer so gut wie möglich unterstützen und ermutigen.

Denn: Funktionelle Osteopathie macht viel Freude. Und das ist einer der Hauptgründe dafür, dass wir sie lehren.