Craniosakrale Körperarbeit
Minimale Kraft maximale Wirkung
Die Craniosakrale Körperarbeit ist der Kernaspekt der Funktionalen Osteopathie. Sie befasst sich mit dem Wechselspiel zwischen Mobilität und Motilität - also der äußeren und inneren Beweglichkeit - des Bindegewebes und richtet ihren Fokus auf die Behandlung zwischen dem Kopf (cranium) und dem Kreuzbein (sakrum). Craniosakrale Körperarbeit wirkt über die einfühlsame therapeutische Interaktion der BehandlerInnen mit der feinsten aller spürbaren Lebensäußerungen des Körpers, der Cranialen Rhythmik.
Wenn BehandlerInnen ihre berührende Wahrnehmung auf diesen cranialen "Puls" fokussieren, entsteht eine Form von therapeutischem Kontakt, die als ein Zuhören und Verstehen mit den Händen beschrieben werden kann. Jenseits aller Methodik und Behandlungstechnik gilt es dann, eine verfeinerte Aufmerksamkeit für die Art und Weise dieser lebendigen Pulsation zu entwickeln.
Diese kaum spürbare, zeitlupenhaft strömende Bewegung ähnelt dem Atem und ist wie dieser meist unbewußt. In Wechselbeziehung zwischen den verschiedenen Zugkräften innerhalb des faszialen Bindegewebes und den physiologischen Pulsationen des Patienten entstehen Bewegungs- und Spannungsmuster, deren Ausprägung von entscheidender diagnostischer Relevanz ist und die direkte Umsetzung des Erspürten in eine gezielte Behandlung ermöglicht. Für craniosakral arbeitende PhysiotherapeutInnen gilt es, sich in die Bewegungsmuster der Patienten einzustimmen, sich mitfühlend von ihnen bewegen zu lassen und das gemeinsame Bewegtsein zur Orientierung der manuellen Heilimpulse werden zu lassen. Craniosakrale Körperarbeit wird so zur stillen Kommunikation mit dem Lebendigen und damit zu einer Resonanz-Therapie in physiotherapeutischer Form.
In der Craniosakralen Körperarbeit ergänzt sich die genaue Anwendung der für die jeweilige Indikation geeigneten Technik mit einer meditativen Stille und Achtsamkeit. Lauschen dem Körper mit den Händen zuhören tritt an die Stelle routinierten Machens. Die individuellen Spannungsmuster der Patienten tragen ihre entsprechenden Lösungswege in sich. Sie wollen vom Herzen der BehandlerInnen begleitet und von ihren Händen gezielt unterstützt werden. Die sich daraus entwickelnde äußere und innere Bewegung gleicht einem Fluß mit seinen Windungen und Stauungen. Der Behandler öffnet nur zur rechten Zeit die Schleuse. Die Strömung findet selber ihren Weg.
Diese Kursserie in Craniosakraler Körperarbeit ist spezifisch für diejenigen Physiotherapeuten konzipiert, die die Methode direkt in ihr übriges Arbeitsfeld integrieren und eine Behandlungsmethode erlernen wollen, die nicht nur ihren Patienten hilft, sondern auch ihnen selbst gut tut: sowohl während der Kurse als auch in der Praxis. Das Erlernen eines breiten Spektrums osteopathischer Techniken ist in diesem Unterricht ebenso wichtig wie Wahrnehmungs- und Meditationsübungen. Fundierte und anschaulich präsentierte Funktionelle Anatomie verbindet sich mit der aufgeschlossenen Erkundung dessen, was Patient und BehandlerIn wirklich brauchen, um Heilung zu ermutigen. Emotionale Anteilnahme und wahrnehmendes Gefühl wachsen zu Behandlungsmaßstäben heran, die gleichberechtigt neben dem gewissenhaft erstellten klinisch-strukturellen Befund stehen.